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Jul 03 2016

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Rezension: Odin Sphere Leifthrasir (PS4)

odin-sphere-leifthrasier-coverEnde Juni fand ein besonderer Action-Rollenspiel-Klassiker eine Wiederauferstehung auf der Playstation 4: Odin Sphere.

Ursprünglich erschien Odin Sphere 2007 beziehungsweise 2008 für Sonys Playstation 2. Bereits damals konnte das Action-Rollenspiel mit seinem liebevollen Grafikstil und einer fesselnden Geschichte in fünf Akten überzeugen. Mit Odin Sphere Leifthrasir hat das Werk von Vanillaware und insbesondere dem für die Entwicklung verantwortlichen Director und Artist George Kamitani eine Neubelebung für Playstation 4 erfahren. Dabei handelt es sich jedoch um kein einfaches Remaster, wie es viele Spiele heutzutage spendiert bekommen, sondern um ein waschechtes Remake. Zahlreiche Spielelemente wurden sinnvoll angepasst, verbessert oder erweitert.

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Fünf Helden

Die Geschichte von Odin Sphere Leifthrasir ist auf fünf Handlungsstränge und Protagonisten aufgeteilt. Nacheinander erleben wir die Ereignisse um Prinzessin Gewndolin, Prinz Kornelius, Feenprinzessin Maresa, den dunklen Ritter Oswald und die Hexe Velvette. Allerdings sind die einzelnen Geschichten miteinander verknüpft und laufen parallel zueinander ab. Mittels eines jederzeit einsehbaren fünfgeteilten Zeitstrahls besteht immer die Möglichkeit, die aktuellen Geschehnisse in Einklang mit vorherigen Ereignissen zu bringen. Das ist besonders deshalb hilfreich, weil jede Geschichte erst komplett erzählt wird, bevor die nächste verfügbar ist. Das sorgt für einige interessante Aha-Momente, wenn Zusammenhänge deutlicher oder Geschehnisse abseits des zuvor gespielten Handlungsstrangs aufgedeckt werden.

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Odin Sphere Leifthrasir erinnert bei der Erzählung an klassische Dramen und konzentriert sich weniger auf den üblichen Alltag der Figuren, sondern rückt tragische und weitreichende Ereignisse in den Mittelpunkt. Dabei spielt der Krieg um den Hexenkessel zwischen dem Dämonenfürsten Odin und dem Reich der Feen eine zentrale Rolle und ist ein Angelpunkt in jedem der fünf Handlungsstränge. So dient die Schlacht zwischen den Streitmächten auch als Einstieg in das Spiel mit Gwendolin, der Tochter des Dämonenfürsten. Neben Kriegswirren und Hass spielen auch Liebe und Familie wichtige Rollen innerhalb der Geschichte. Sei es Gwendolins Beziehung zu ihrem Vater oder Kornelius Furch seiner Geliebten in verfluchter Gestalt gegenüber zu treten. Unterstützt wird die Tragweite der Geschichte von der zugrunde liegenden und sehr frei verwendeten nordischen Mythologie sowie der Präsentation des Spiels. Diese lässt zwar ein wenig Distanz zwischen dem Spieler und den Charakteren entstehen, dennoch bewegt das Schicksal von Gwendolin, Kornelis, Maresa, Oswald und Velvette.

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2D-Action

Im Gegensatz zu vielen anderen Genre-Vertretern ist Odin Sphere Leifthrasir genauso wie nach dem Original erschienene Werke von Vanillaware wie Dragon’s Crown oder Muramasa in einem 3D-Sidescroller-Stil gehalten. Das heißt man sieht das Geschehen von der Seite und bewegt sich durch zweidimensionale Level. Dabei unterscheidet das Spiel zwischen einfachen Bereichen und den Kampfarenen. Letztere sind rund angelegt, was trotz der 2D-Grafik interessante Möglichkeiten in den größeren Kämpfen ermöglicht. In solchen Abschnitten finden die meisten der actionreichen Konfrontationen statt. Auch gegen Mini-Bosse und Bossgegner tritt man in Arenen an. Am Ende eines solchen Kampfes winkt die Beurteilung, von der die Geld-Belohnung abhängig ist.

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Das Kampfsystem ist perfekt auf die Sidescroller-Mechanik angepasst. Neben einfachen Schlägen, die sich zu endlosen Kombos aneinanderreihen lassen und den Trefferzähler nach oben treiben, stehen Spezialattacken zur Verfügung. Diese müssen zuvor in den Leveln gefunden, durch Kämpfe erlangt oder durch den Abschluss eines Kapitels verdient werden. Anschließend lassen sie sich entweder auf einem jederzeit aufrufbaren Menü ausführen. Bis zu vier Aktionen können auch in die Kurzauswahl gelegt und somit nahtlos in die Kombos integriert werden. Allgemein sind die Kämpfe im Vergleich zum PS2-Original spürbar dynamischer und gehen einfach von der Hand. Dabei fällt trotz ähnlicher Spielweise auf, dass jeder Charakter eigene Stärken und Schwächen hat und sich ein wenig anders spielt. So schwingt Kornelius sein Schwert schnell, während Maresa als Fee fliegen kann und ihre Armbrust für Fernkampfattacken einsetzt.

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Rollenspielaspekt

Während der Kämpfe sammeln wir Erfahrungspunkte und die so genannten Phosonen. Diese lila Kugeln hinterlassen Gegner und sind sowohl für die Geschichte als auch den Spielablauf wichtig. So sind sie erforderlich, um die Waffe sowie Spezialangriffe aufzuwerten, während sie gleichzeitig genutzt werden können, um gepflanzte Samen zum Wachsen zu bringen und somit an Essen zu kommen. Allgemein gilt, dass Nahrung weit aus schneller zu Levelaufstiegen führt, als einfache Kämpfe. Doch auch das Aufwerten der aktiven und passiven Spezialfähigkeiten ist wichtig, um im weiteren Verlauf der jeweiligen Handlungsstränge bestehen zu können. Hierbei gilt zu beachten, dass jeder Charakter wieder auf Level eins anfängt und über einen eigenen Talentbaum verfügt. Letzterer beinhaltet neben den Spezialfähigkeiten auch die Talente, die passive Boni wie höheren Schaden oder bessere Resistenz gegen Statusveränderungen gewähren.

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Leider bietet Odin Sphere Leifthrasir abseits der Kämpfe nur wenig. Richtige Nebenquests gibt es nicht. Viel mehr folgt man linear der Geschichte und durchstreift die Gebiete des Kontinents. Diese gestalten sich jedoch teilweise als recht großzügig und mit optionalen Routen sowie Mini-Bossen, die besondere Belohnungen gewähren. Trotz allem bleiben auch die Level eher geradlinig und folgen einer strikten Struktur. Bedauerlich ist auch, dass man mit jedem Charakter fast alle Gebiete durchstreifen muss. Zwar ist die Reihenfolge anders und der Aufbau der Level unterscheidet sich, dennoch wiederholen sich die Umgebungen, wodurch in dieser Hinsicht mit der Zeit ein leichtes Sättigungsgefühl eintritt. Dem entgegen stehen jedoch Geschichte und Kämpfe, die diesen Makel gemeinsam mit der wunderschönen, detailverliebten Grafik immer wieder vergessen machen.

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Nebenbei

Auch wenn man auf Nebenquests verzichten muss, fehlen Beschäftigungen abseits der Handlung nicht völlig, auch wenn sie eher automatisch nebenbei ablaufen. So sammelt man im Lauf des Spiels Dokumente mit Informationen zur Welt und Geschichte. Außerdem ermöglichen neue Alchemie-Rezepte das Brauen neuer Tränke. Diese Option wurde im Vergleich zum PS2-Original ebenfalls angepasst. Tränke erreichen nun maximal Stufe 9 und man verdient beim Brauen keine Phosonen mehr. Die Vielfalt der Tränke reicht dabei von einfachen, aber wichtigen Heiltränken über Angriffstränke bis hin zu Besonderheiten wie beispielsweise der Möglichkeit alle sichtbaren Gegner in Frösche zu verwandeln.

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Wie erwähnt spielt Essen eine wichtige Rolle, um an Erfahrungspunkte zu kommen. Neben der Nahrung, die man findet oder durch gepflanzte Samen erhält, bietet ein wandernder Koch eine der besten Möglichkeiten. In den Rastzonen der Level kann er gerufen werden und zaubert aus Zutaten leckere Speisen für die erschöpften Helden. Zuvor benötigt er allerdings Rezepte, die man ebenfalls in den Leveln findet oder eher selten bei Händlern kaufen kann. Dabei dient der Koch nicht nur dazu die Lebenspunkte innerhalb eines Levels günstig zu erhöhen, sondern hilft zugleich beim wichtigen Levelaufstieg.

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Lebendes Bilderbuch

Wie bereits erwähnt sticht Odin Sphere Leifthrasir mit seinem farbenfrohen, märchenhaften Grafikstil hervor. Die gezeichneten Charaktere und Hintergründe strotzen vor Details und wirken oft so, als wären sie einem Märchenbilderbuch entsprungen. Das passt auch zur liebevollen Rahmen-Präsentation. In dieser übernimmt das kleine Mädchen Alice die Rolle jener Figur, die die Abenteuer der Protagonisten liest. Nach Spielstart findet man sich in ihrer Rolle auf einem Dachboden wieder und jeder Handlungsstrang wird durch ein auf dem Boden liegendes Buch dargestellt. Zugleich hat es Vanillaware geschafft den Stil perfekt von der PS2 auf die PS4 zu portieren und die Möglichkeiten der neuen Konsole zu nutzen. Schöner sah das Action-Rollenspiel nie aus. Egal ob man nun einfach nur den Moment genießt oder die Effekte während den Kämpfen bewundert.

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Auch beim Ton merkt man mit wie viel Herzblut sich die Entwickler dem Spiel gewidmet haben. Bereits im Startmenü wird man von einem wunderschönen, atmosphärisch perfekt passenden Lied begrüßt und erwischt sich dabei einfach einen Moment länger zu warten, um die Klänge genießen zu können. Zusätzlich passt die englische Sprachausgabe exzellent zur Art des Spiels. Die Sprecher hauchen den Figuren Leben ein und vermitteln die Dialoge so glaubwürdig, als wären sie wirklich in der Welt von Odin Sphere Leifthrasir. Dem stehen die deutschen Texte etwas nach, aber auch hier wurde eine hervorragende Übersetzung angefertigt. Wahlweise steht zudem die japanische Originalvertonung zur Verfügung.

Fazit

Odin Sphere Leifthrasir ist ein hervorragendes Remake, das aus dem PS2-Original nicht nur das Beste herausholt, sondern zugleich auch sinnvolle Neuerungen und Anpassungen vornimmt. Damit ist die PS4-Version definitiv die beste Variante des Spiels. Die Geschichte fesselt dank einer exzellenten Erzählweise und fünf spannenden Handlungssträngen, die perfekt miteinander verflochten sind. Dadurch ergibt sich ein enormer Umfang. Zusätzlich sind es die dynamischen Kämpfe die maßgeblich zum erhöhten Spielspaß beitragen. Selbst der teilweise repetitive Spielablauf stören den positiven Gesamteindruck nur minimal. Anhänger etwas anderer Rollenspiele sowie der Vanillaware-Spiele sollten sich Odin Sphere Leifthrasir genauer ansehen.

Kurzfazit: Exzellente Neuauflage, die aus einem sehr guten Spiel ein fantastisches macht und besonders durch die dramaturgisch hervorragende Geschichte überzeugt.

Vielen Dank an NIS America / flashpoint für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Odin Sphere Leifthrasir!

Details
Titel: Odin Sphere Leifthrasir
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: NIS America / Atlus
Entwickler: Vanillaware
Spieler: 1
Syteme: Playstation 4
Altersfreigabe: ab 6
Erscheinungsdatum: 24. Juni 2016

Bilder Copyright Vanillaware / Atlus / NIS America

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