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Jun 05 2016

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Rezension: Homefront: The Revolution (PS4)

homefront-the-revolution-ps4-coverNach einer durchwachsenen Entwicklung ist Homefront: The Revolution im Mai erschienen. Dabei zeigt der Open-World-Shooter interessante Ansätze, aber auch deutliche Schwächen.

Homefront: The Revolution hat einen beschwerlichen Weg hinter sich. Ursprünglich als Auftragsarbeit von THQ bei Crytek in Entwicklung, übernahm das Entwicklerstudio die Rechte an der Marke nach der Insolvenz des Publishers. Doch auch unter der Eigenregie von Crytek wurde es nicht ruhiger und finanzielle Probleme führten schließlich zum Verkauf des Studios Crytek UK sowie der Homefront-Marke an Deep Silver. Die neu gegründeten Dambuster Studios übernahmen die Arbeiten am zweiten Teil der Reihe und zugleich alle Mitarbeiter von Crytek UK. Die nicht gerade einfachen Bedingungen der Entwicklung sind Homefront: The Revolution teilweise anzumerken.

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Besetzte USA

Angesiedelt ist Homefront: The Revolution in einer alternativen Zeitlinie. Im Jahr 2029 stehen die USA unter der Kontrolle Koreas und die Bevölkerung leidet unter einem harten Regime. Dazu gekommen ist es durch die Erfindungen des Nordkoreanischen Konzerns Apex, dessen Produkte die USA in Massen gekauft hat. Auch als nach Smartphones und Tablets die Waffen hergestellt wurden, setzte das amerikanische Militär auf Apex. Einige Kriege und Rückschläge sorgten dafür, dass es den Vereinigten Staaten immer schlechter ging, die Wirtschaft brach zusammen und schließlich konnten die Schulden an Apex und Nord-Korea nicht mehr bezahlt werden. Durch technische Hintertüren in allen Apex-Geräten, war es dem koreanischen Militär – der KVA – ein Einfaches, die Verteidigung der USA zu überwinden. Anfangs als Hilfmission für die Zivilisten und als Aufbaumission geplant, übernahm Nord-Korea die USA.

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Doch es regt sich Widerstand gegen die Unterdrücker. In der Rolle von Ethan Brady bereitet der Spieler mit seinen Kameraden das Eintreffen des großen Widerstandführers Benjamin Walker in Philadelphia vor, als die KVA eine Razzia durchführt. Die gesamte Zelle wird gefangen genommen und getötet. Walker kann nur Brady rechtzeitig retten, was letztlich zu seiner eigenen Gefangennahme führt. Gemeinsam mit den restlichen Widerständlern gilt es nun Walker zu retten. Dabei erkundet man das in relativ große Open-World-Zonen eingeteilte Philadelphia, erobert Stützpunkte, führt Aufträge aus und versuchte den Geist der Rebellion bei der Bevölkerung zu wecken. Leider fehlt es der Geschichte an richtigen Höhepunkten oder einem charismatischen Gegenspieler. Zusätzlich sorgt der stumme Hauptcharakter immer wieder dafür, dass die Atmosphäre leidet. Häufig wirkt Brady durch seine Wortlosigkeit wie ein unbeteiligte Statist, der einfach nur Befehle ausführt. In mancher Situation kommt es sogar zu kleineren unlogischen Szenen, die durch ein einzelnes Wort von Brady vermieden werden könnten.

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Beeinträchtige, gute Atmosphäre

Grundsätzlich ist die Welt eine der Stärken von Homefront: The Revolution. Überall sind die Spuren der Unterdrückung und des Kampfes um die USA zu sehen. Leider nutzt das Spiel weder bei der Geschichte noch spielerisch die sich bietenden Möglichkeiten aus. Besonders in den roten Zonen und wenn es zu größeren Feuergefechten kommt, zeigt der Ego-Shooter einige Schwächen. Trotz der guten Waffenphysik schafft es die Action nicht vollends zu überzeugen. Zu unausgegoren wirken die Passagen. Zudem passt es oft nicht zur gelegentlich sehr guten Guerilla-Atmosphäre. Es wirkt einfach unlogisch, wenn ein paar Widerständler eine gesamte Zone übernehmen können, ohne dass die KVA massiv dagegen vorgeht.

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Anders verhält es sich zum Glück in den sogenannten gelben Zonen. Hier fällt die Präsenz der Besatzer deutlich mehr auf. Die zivile Bevölkerung spielt eine Rolle und die Unterdrückung ist deutlich stärker zu erkennen. Auch die Stützpunkte sind häufig einfache Verstecke in verlassenen Wohnungen oder Lagerhäusern. Da Brady von der KVA gesucht wird, gilt es außerdem vorsichtig und schleichend vorzugehen, da die patrouillierenden Soldaten und Drohnen genauso wie die zahlreichen Kameras sofort aufmerksam werden und Alarm schlagen. Durch die höhere Feindpräsenz ist es oft etwas schwieriger einen offenen Kampf zu überleben, so dass die gut verteilten Verstecke eine sinnvolle Hilfe darstellen. Störend fällt hierbei jedoch die zu große Aufmerksamkeit der Gegner auf. Selbst wenn man normal durch die Straßen läuft, reagieren sie sofort auf Brady und innerhalb von Sekunden ist man in einem Feuergefecht. Das kann mitunter nerven und wirkt teilweise etwas unlogisch. Außerdem haben die gelben Zonen auch kleinere Probleme durch im weiteren Verlauf eroberte große Basen der KVA. Immerhin ist dies im Normalfall erst möglich, wenn die Bevölkerung durch die Taten des Spielers zum Aufstand inspiriert wurde.

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Zahlreiche versteckte Objekte wie Radios oder Tagebücher sorgen für Motivation bei der Erkundung der Spielwelt. Dadurch weicht man gerne von der Geschichte ab und durchstreift einfach nur die Straßen von Philadelphia. Etwas weniger motivierend fallen die recht simplen Aufträge aus. Meist gilt es mit dem Smartphone, das als In-Game-Menü mit Karte, Missionsübersicht und allerlei mehr dient, Fotos von Feinden, Zivilisten, Generatoren oder anderen Dingen zu machen. Oder aber man soll Feinde mit einer bestimmten Waffen töten.

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Waffenmechanik & Technikprobleme

Spielerisch präsentiert sich Homefront: The Revolution aus solider Open-World-Shooter. Die Waffenphysik ist ordentlich, wodurch die Schießereien grundsätzlich Spaß machen, aber wie erwähnt im Gesamten teilweise etwas zu unausgegoren sind. Zudem fällt die häufig zum Einsatz kommende Klettersteuerung als zu ungenau aus. Der insgesamt gelungene Schwierigkeitsgrad leidet ein wenig an der unbeständigen KI der Gegner. Ebenfalls negativ fällt die eher geringe Zahl an Waffen auf, die jedoch fast alle modifiziert und umgebaut werden können. Das geht intuitiv über das Waffenrad und jederzeit im Spiel. So wird aus einer einfachen Pistole schnell eine Maschinenpistole oder eine leise Luftdruckpistole, während die Armbrust beispielsweise zu einem Flammenwerfer umgebaut werden kann. Zudem lassen sich die Waffen mit unter anderem mit Zielvisieren, Schalldämpfer oder Handgriff modifizieren. Gemeinsam mit den interessanten Gadgets wie Molotow Cocktails oder Hack-Geräten, die alle auch mit Fern- oder Annäherungszünder sowie fernsteuerbar verfügbar sind, ergeben sich einige Möglichkeiten.

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Leider kann Homefront: The Revolution technisch nicht komplett überzeugen. Man merkt dem Spiel bei Licht- und Schatteneffekten sowie den realistischen Gesichtern der Hauptfiguren die verwendte CryEngine durchaus an. Dem gegenüber stehen allerdings teils hakelige und unschöne Animationen. Das wohl größte Problem ist jedoch die unkonstante Framerate. Immer wieder fällt das Spiel auf der PS4 unter 30fps und ruckelt spürbar. Niemals so sehr, dass der Spielspaß wirklich getrübt oder beeinträchtigt wird, aber dennoch auffällig. Besonders unverständlich sind die kurzen Einfrierungen des Spiels beim automatischen Speichern. Man gewöhnt sich zwar dran, aber nur so weit, dass man keinen Absturz mehr befürchtet. Nervig bleibt dieses Problem trotzdem. Dafür entschädigen auch die insgesamt gelungene Guerilla-Atmosphäre und die gute deutsche Synchronisation nur bedingt.

Fazit

Homefront: The Revolution macht durchaus Spaß, weist aber auch einige Schwächen auf. Die Stärken liegen ganz klar in den ruhigen Momenten, dem Schleichen und dem Erkunden der Spielwelt. Wird es actionlastiger, funktioniert die Waffenphysik zwar grundsätzlich, trotzdem fallen die Schießereien gerade bei größeren Actionpassagen störend und etwas unausgereift auf. Dazu gesellen sich die zu aufmerksamen Feinde, wodurch es gerade in den gelben Zonen manchmal schwierig ist, die gelungene Atmosphäre beim Durchstreifen von Philadelphia zu genießen, da man einfach zu schnell entdeckt wird. Die eher geringe Waffenzahl wird durch die Umbauten und Modifikationen etwas wett gemacht, außerdem passt es grundsätzlich zur Guerilla-Thematik, dass der Widerstand nicht über ein großes Arsenal verfügt. Wer über die Mängel hinwegsehen kann, bekommt mit Homefront: The Revolution trotz allem einen grundsoliden Shooter, der in seinen guten Momenten durchaus Spaß macht und in seinen etwa 12 bis 15 Stunden Spielzeit trotz mangelnder Story-Highlights unterhalten kann.

Kurzfazit: Grundsolider Open-World-Shooter, der trotz eindeutiger Mängel bei Action, Technik, Story und Gegner-KI mit seinen Stärken unterhalten kann.

Vielen Dank an Koch Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Homefront: The Revolution!

Details
Titel: Homefront: The Revolution
Genre: Ego-Shooter
Publisher: Deep Silver
Entwickler: Dambuster Studios
Spieler: 1 (Offline), 4  (Online)
Syteme: Playstation 4 (getestet), Xbox One, PC
Altersfreigabe: ab 18
Erscheinungsdatum: 20. Mai 2016

Bilder Copyright Deep Silver

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