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Mai 29 2016

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Rezension: Sailor Moon Crystal – Vol. 1 (Blu-ray)

sailor-moon-crystal-vol-1-coverSieben Episoden bilden in Sailor Moon Crystal Volume eins den Auftakt der Rückkehr einer Anime-Ikone.

Die 14-jährige Usagi Tsukino ist ein relativ normales Mädchen. Die Schülerin ist etwas tollpatschig, verschläft gerne und kommt deshalb zu spät zur Schule. Als ihr genau das eines Tages wieder passiert, trifft sie auf ihrem Schulweg eine seltsame schwarze Katze mit einem sichelförmigen Mondsymbol auf der Stirn. Später eröffnet das seltsame Tier namens Luna Usagi, dass die Schülerin über besondere Kräfte verfügt und sich in Sailor Moon verwandeln kann. Als diese soll sie das Böse bekämpfen und die Prinzessin des Mondes finden und beschützen. Zudem gilt es, den magischen Silberkristall vor dem Feind zu finden. Eher unfreiwillig kommt die 14-jährige der Aufgabe nach und findet dabei Verbündete, die als Sailor Mercury, Sailor Mars und Sailor Jupiter an ihrer Seite kämpfen. Doch das ist nicht alles. Was hat es mit dem mysteriösen Tuxedo Mask, der immer wieder auftaucht und Sailor Moon in brenzligen Situationen hilft, auf sich? Und wer ist Sailor V, die bereits vor Usagis Begegnung mit Luna durch ihren Kampf gegen Kriminelle für Aufsehen sorgte?

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Rückkehr eines Klassikers

Sailor Moon ist wohl eine der bekanntesten und wichtigsten Anime-Serien der 1990er-Jahre. Damals gehörte die von Tōei Animation produzierte Umsetzung der Mangas von Naoko Takeuchi zu den Wegbereitern von Animes in Deutschland. Zum 20. Jubiläum des Franchises wurde im Zuge eines Events eine neue Sailor-Moon-Serie angekündigt, die schließlich unter dem Namen Sailor Moon Crystal im Juli 2014 erstmals auf der Videoplattform Nico Nico Douga gezeigt wurde. Dabei handelt es sich um eine erneute Umsetzung der Mangas, die ohne sogenannte Füllerepisoden auskommt und sich insgesamt stärker an der Vorlage orientiert. Kaze Anime veröffentlicht die ersten beiden Staffeln in vier Volumes.

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Diese Entscheidung ist definitiv als positiv zu sehen, da die Handlung zügig vorankommt und jede einzelne der sieben Episoden von Volume eins miteinander verknüpft ist. Alle Ereignisse bauen aufeinander auf und zeigen einen klaren Weg hin zum Finale der ersten Staffel. Allerdings fällt Sailor Moon Crystal aufgrund der Konzentrierung auf die eigentliche Geschichte im Vergleich zur ersten Anime-Serien-Umsetzung deutlich kürzer aus. Nach 14 Folgen ist der erste Storyarc, der als Dark Kingdom Arc bekannt ist, bereits vorbei. Zumindest der ersten Hälfte der Staffel schadet das aber keineswegs. Sowohl die wichtigen Handlungselemente als auch die Hintergründe werden verständlich und ausführlich genug vorgestellt, ohne dass bereits alle Fragen beantwortet werden.

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Schnelle Akzeptanz

Etwas anders sieht es bei den Charakteren aus. Zwar konzentrieren sich einzelne Episoden auf die Einführung und Vorstellung der Hauptfiguren, dennoch bleiben kleinere Mängel in der Charakterdarstellung vorhanden. Das gilt besonders für die Sailor-Kriegerinnen. Usagi zeigt sich lange Zeit als unwillig und bricht in gefährlichen Momenten in Tränen aus, wodurch ihre Abneigung gegen das Dasein als Sailor Moon deutlich wird. Ihre Kameradinnen Ami Mizuno, Rei Hino und Makoto Kino akzeptieren die neue Kraft und das Schicksal gegen das Böse kämpfen, einen Kritsall finden und eine unbekannte Prinzessin beschützen zu sollen beinah sofort. Hierbei wird zwar mit der Erkenntnis gearbeitet, dass sie endlich den Sinn in ihrem Leben oder für ihre besonderen Fähigkeiten erkennen, dennoch fehlt es ein wenig an echter Charakterentwicklung.

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Das stört angesichts der ansonsten im Rahmen des Magical-Girl-Romance-Genres unterhaltsamen Serie jedoch nur bedingt. Letztlich werden die Figuren gebraucht und die wenige vorhandene Zeit für ihre Vorstellung und Einführung angemessen genutzt. Außerdem steht klar Usagi Tsukino alias Sailor Moon im Mittelpunkt der Gescichte, so dass es nachvollziehbar ist, ihrer Charakterentwicklung mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Besonders da bereits früh klar wird worauf die Serie hinausläuft – auch für all jene, die bisher nicht mit Sailor Moon in Berührung gekommen sind. Doch auch das stört nur bedingt, da die jeweiligen Konfrontationen zwischen den Sailor-Kriegerinnen mit ihren Feinden sowie die Interaktion zwischen den Mädchen unterhaltsam umgesetzt wurden. Besonders Usagi sorgt durch ihre tollpatschige, offene Art immer wieder für amüsante Momente. Gleichzeitig ist es genau das, was sie zu einem liebenswerten Charakter macht. Allgemein gelingt es Sailor Moon Crystal die Hauptfiguren so darzustellen, dass man mit ihnen mitfiebert. Da fallen selbst die schwülstigen Dialoge und manchmal nicht ganz logischen Reaktionen mancher (außenstehender) Figuren kaum noch ins Gewicht.

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Glanzvoll

Die erste Sailor-Moon-Serie war ein Produkt der 1990er-Jahre, was man ihr angesichts von Animationen und Stil heutzutage auch deutlich ansieht. Demnach ist eine Neuumsetzung des Stoffes mit heutigen Möglichkeiten durchaus willkommen. Mit Tōei Animation übernahm bei Sailor Moon Crystal das Original-Studio der ersten Serie wieder die Produktion. Gemeinsamkeiten zwischen den Serien sind alleine durch das Charakterdesign zu erwarten gewesen, dennoch überrascht es wie gut der Charme von Sailor Moon erneut eingefangen wurde, auch wenn sicherlich nicht alle Fans mit der Neuumsetzung zufrieden sein dürften. Vergleicht man beide Serien miteinander, fallen trotzdem Unterschiede auf. So wirkt Sailor Moon Crystal moderner, während die Sailor-Kriegerinnen etwas schlanker daherkommen. Außerdem wurde das Design der Charaktere stärker an der Manga-Vorlage orientiert.

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Neu ist außerdem der Einsatz von CGI-Elementen sowohl beim Intro als auch bei den Verwandlungsszenen der Mädchen in ihr jeweiliges Sailor-Kriegerinnen-Dasein. Die Inszenierung ist hierbei überaus aufwendig und die Kamera fängt viele Details der Figuren ein. Fallen die CGI-Modelle anfangs noch etwas deplaziert auf, gewöhnt man sich schnell daran und genießt die schön anzusehenden Animationen und Effekte, die dabei zum Einsatz kommen. Allgemein profitiert Sailor Moon Crystal von den Möglichkeiten der Blu-ray. Die kräftigen Farben sowie die Charaktere und Umgebungen kommen in 1080p besonders gut zur Geltung. Ebenfalls gelungen sind Musik und sonstige Sounduntermalung der Serie, die gut abgemischt aus den Lautsprechern kommen. Interessant ist, dass sämtliche Rollen mit neuen Synchronsprechern besetzt wurden, abgesehen von Usagi alias Sailor Moon. Im japanischen Originalton hat erneut Kotono Mitsuishi die Hauptfigur übernommen, während Sabine Bohlmann wie schon in der ersten Staffel der ursprünglichen Serie, dafür zuständig war. Insgesamt kann sich die deutsche Synchronsation hören lassen. Nur bei wenigen Nebenfiguren gibt es etwas schwächere Qualität zu bemängeln.

Fazit

Sailor Moon Crystal bringt die bekannte Kämpferin für Liebe und Gerechtigkeit in modernem Gewand und näher an der Manga-Vorlage als jemals zuvor zurück ins Anime-Geschäft. Die Neuumsetzung ist Tōei Animation dabei ausgesprochen gut gelungen. Besonders Fans der ersten Serie und der Mangas dürften an Sailor Moon Crystal Gefallen finden. Im Umkehrschluss gilt jedoch, dass all jene, die bisher nichts mit dem Franchise anfangen konnten, auch von der Anime-Neuinterpretation nicht überzeugt werden dürften. Ganz ohne Schwächen kommt der Auftakt der Serie nicht aus. Die Dialoge wirken manchmal zu aufgesetzt, zudem akzeptieren einige Charaktere die Ereignisse zu schnell und ohne irgendetwas zu hinterfragen. Dazu gesellen sich noch kleinere Logiklücken. Fans sowie Anhänger von Magical-Girl-Romance-Serien können jedoch darüber hinwegsehen, zumal sich keine der Macken außerhalb des gewohnten bewegt. Außerdem machen aufgeworfene Fragen und das offene Ende Lust auf die Fortsetzung.

Kurzfazit: Der Auftakt von Sailor Moon Crystal ist unterhaltsame Genre-Kost, die trotz kleinerer Schwächen unterhält und besonders Fans gefallen dürfte.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sailor Moon Crystal – Vol. 1!

Details
Titel: Sailor Moon Crystal – Vol. 1
Genre: Romance, Fantasy/Sci-Fi
Regie: Munehisa Sakai
Studio: Tōei Animation
Produktionsjahr: 2014
Laufzeit: ca. 175 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch (DTS-HD MA 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonus: 48-seitiges Booklet, 4 Postkarten, Clear Opening & Ending, 2 Magnete
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 29. April 2016
Herstellerseite: Sailor Moon Crystal – Vol. 1 bei Kazé Anime

Bilder Copyright Tōei Animation / Kazé Anime

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