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Mai 27 2016

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Rezension: Doom (PS4)

doom-ps4-coverEntwickler id Software kehrt mit Doom zu den 90er-Jahre-Wurzeln der Ego-Shooter-Reihe zurück.

Obwohl das neue Doom-Spiel auf eine Zahl im Namen verzichtet, handelt es sich beim neusten Ableger der Reihe um den vierten Teil. Nicht ganz 14 Jahre sind seit der erstmaligen Veröffentlichung von Doom 3 und damit seit dem letzten Hauptteil der Reihe vergangen. Neuauflagen und Spin-offs nicht mitgerechnet. Allerdings orientiert sich Entwickler id Software beim neuen Doom an den beiden Klassikern der 1990er-Jahre, die das Genre der Ego-Shooter mit geprägt haben. Horror-Elemente und andere Neuerungen des dritten Teils sind der Rückbesinnung auf Franchise-Traditionen zum Opfer gefallen. Diese Ausrichtung des neuen Doom merkt man an vielen Stellen des Spiels. Nicht nur das Gameplay an sich, auch der Aufbau des Spiels und die Geschichte erinnern an die guten alten Tage, kommen aber nicht ohne Schwächen daher.

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Hölleninvasion

Die Geschichte von Doom ist schnell zusammengefasst. Auf einer Mars-Basis, die zur Gewinnung von Höllenenergie diente, sind Dämonen entkommen und ein Portal zur Hölle droht sich zu öffnen. Als Doom-Marine ist es die Aufgabe des Spielers die Höllenbrut Scharenweise mit diversen Waffen zu beseitigen und gleichzeitig die Invasion der Dämonen zu beenden. Dabei geizt Doom nicht nur mit Blut und brutal inszenierten Nahangriffen, sondern verzichtet auch auf komplizierte Wendungen. Viel mehr erwartet man von einem Doom aber auch gar nicht. Wer dennoch mehr über die Mars-Basis, Charaktere, Dämonen oder Waffen wissen möchte, kann einen Blick in die sich automatisch und durch in den Leveln versteckten Informationen füllende Datenbank werfen.

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Wie bereits erwähnt präsentiert id Software Doom als Old-School-Shooter, der an die Anfänge der Reihe erinnert. Das Gameplay ist schnell und kommt ohne moderne Elemente wie Deckungen oder automatisch regenerierende Gesundheit daher. Stattdessen gilt es Medipacks oder Heilstationen zu finden. Als zusätzlicher Schutz dient die bekannte Rüstung, die wir durch entsprechende Objekte in den Leveln auffüllen können. Abseits von Waffen und Ausrüstungsgegenständen war es das auch schon. Kleinere Neuerungen haben es dann aber trotzdem in Doom geschafft. So erhält man nach einiger Zeit beispielsweise einen Doppelsprung und auch ein Aufrüstungssystem für Waffen und Doom-Marine sind ins Spiel integriert worden. Diese kleinen Rollenspielelemente fügen sich gut in den Spielablauf ein und bieten sinnvolle Erweiterungen. So verfügen die meisten Primärwaffen über zwei Waffenmods, die verstärkt werden können. Genauso kann die Marine-Rüstung verbessert und der Gesundheit, Rüstung sowie Munitionskapazität erhöht werden. Hierfür gilt es entsprechende Punkte oder Objekte in den Leveln zu finden und zu verdienen.

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Blutig rot

Groß war die Überraschung, als Doom ungeschnitten eine Alterfreigabe ab 18 erhalten hat. Die ist aber auch mehr als verdient. Der Ego-Shooter geizt nicht mit Blut oder Gewaltszenen. Besonders die Glory Kills genannten Nahkampf-Finisher und der Einsatz der Kettensäge dürften nicht bei jedem Spieler oder Zuschauer auf Gegenliebe stoßen. Zusätzlich finden sich in der Spielwelt immer wieder Details wie beispielsweise zerfledderte Leichen. Der Gewaltgrad von Doom ist also hoch, passt aber gut zum Spiel selbst und unterstützt zumindest ein wenig das unterhaltsame Gameplay. Mit der Zeit nutzen sich Kettensägen-Angriffe und Glory Kills allerdings etwas ab und man führt sie nur noch aufgrund der von den Gegnern hinterlassenen Munition und Medipacks aus.

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Allgemein ist das wohl größte Problem von Doom die mangelnde Abwechslung. So gelungen und angenehm Old-School das Gameplay ist, so monoton wird es mit der Zeit auch. Die Level laden zwar immer wieder zum Erkunden ein und bieten zahlreiche versteckte Geheimnisse, doch das reicht nicht, um über den immer gleichen Spielablauf hinweg zu täuschen. Letztlich macht man nicht viel mehr als von einem Kampf zum nächsten zu laufen. Natürlich tauchen im Verlauf des Spiels immer mehr und immer größere Dämonen auf, doch diese bringen nur bedingte Abwechslung mit sich, zumal sie oft bereits bei ihrem ersten Auftritt inflationär eingesetzt werden. Kleinere Geschicklichkeitseinlagen nerven eher, als dass sie unterhalten und auf Rätsel abseits vom linearen Einsammeln von gelben und blauen Schlüsselkarten beziehungsweisen Totenköpfen hat id Software ebenfalls verzichtet. Selbst die Anzahl an Bosskämpfen fällt Bescheiden aus. Höchst selten tritt man gegen besondere Gegner an. Das ist umso bedauerlicher, weil immer wieder Momente aufkommen, in denen man fest mit einem Bossgegner rechnet und dann doch nur auf Horden von Standarddämonen trifft.

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Abseits der Story

Neben der in Umfang ordentlichen Kampagne bietet Doom noch die Modi Mehrspieler und Snap Map. Ersteres braucht kaum einer Erklärung. In klassischen Varianten wie Team-Deathmatch tritt man mit und gegen andere Spieler an. Trotz der gelegentlichen Möglichkeit als Dämon zu spielen und der umfangreichen optischen Gestaltungsmöglichkeiten für Charakter und Waffen, fällt der Mehrspieler-Modus insgesamt durchschnittlich aus. Besonders beim Matchmaking haben sich Probleme gezeigt, da während des Tests wiederholt Spieler auf niedrigem und hohem Level in ein Match gesteckt wurden. Bedauerlich, da so bereits im Vorfeld das Siegerteam zu erahnen war.

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Die große Besonderheit von Doom ist wohl Snap Map. Dabei handelt es sich um einen überraschend umfangreichen Editor mit dem sich eigene Karten entwerfen lassen. Grenzen sind kaum gesetzt und die Tutorials vermitteln gut die einzelnen Funktionen. Von einfacher Raumgestaltung, Gegnerplatzierung bis hin zu Logikketten, durch die Aktionen und darauf folgende Reaktionen festgelegt werden können, bietet Snap Map alles, was das Bastlerherz erfreut. Lediglich die Bedienung ist etwas zu umständlich, mit der Zeit arrangiert man sich aber damit.

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Obwohl Doom spielerisch an den Traditionen festhält, präsentiert sich Doom technisch durchaus ansehnlich. Flüssige Animationen, gelungene Waffeneffekte, krachende Musik mit Metal-Stücken, gute Soundeffekte und professionelle deutsche Sprecher. Allerdings bewegt sich Doom grafisch nicht an der Obergrenze des möglichen. Immer wieder sind nachladende Texturen und matschige Umgebungsdetails zu beobachten. Das ist bedauerlich, fällt aber glücklicherweise im aktiven Spiel nur in den ruhigeren, kampffreien Momenten auf. Dann aber je nach Level umso deutlicher. Immerhin leidet die hervorragende Atmosphäre nur selten unter unschön anzusehenden Details.

Fazit

Doom ist Doom. Mit diesem einfachen Satz könnte man den neusten Ableger der Reihe zusammenfassen. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Das schnelle Gunplay unterhält, während Umfang und versteckte Geheimnisse für ein überraschend langes Shooter-Vergnügen sorgen. Allerdings dämpft neben den technischen Schwächen insbesondere der auf Dauer monotone Spielablauf den Spielspaß deutlich. Viel mehr als von einem Kampf zum nächsten laufen, um wieder massig Dämonen über den Haufen zu schießen, macht man nicht. Das ist einerseits bedauerlich, passt aber zum klassischen Doom-Gefühl. Man merkt einfach immer wieder, dass sich die Entwickler an den ersten beiden Teilen der Reihe orientiert haben. Das ist auch gut so, da man dem Spiel dadurch viele Schwächen verzeiht und sich an frühere Zeiten erinnert fühlt. Außerdem macht es immer wieder in kleinen Häppchen unerwartet viel Spaß die Dämonenhorden zu dezimieren.

Kurzfazit: Trotz kleinere Schwächen bei Technik und Abwechslung, überzeugt Doom durch das Old-School-Gameplay, eine dichte Atmosphäre und unterhaltsame Kämpfe.

Vielen Dank an Bethesda Softworks für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Doom!

Details
Titel: Doom
Genre: Ego-Shooter
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: id Software
Spieler: 1 (Offline), 12 (Online)
Syteme: Playstation 4 (getestet), Xbox One, PC
Altersfreigabe: ab 18
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2016

Bilder Copyright Bethesda Softworks

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