Rezension: Super Mario Maker (Wii U)

super-mario-maker-coverAm 13. September 2015 feierte Super Mario sein 30. Jubiläum oder genauer den Jahrestag der japanischen Erstveröffentlichung von Super Mario Bros. für das Nintendo Entertainment System. Passend dazu veröffentlichte Nintendo am 11. September Super Mario Maker, ein Baukasten-Spiel für 2D-Jump-&-Runs.

Super Mario Maker ist kein typischer 2D-Ableger der bekannten Jump-&-Run-Reihe, sondern bringt Spielern etwas gänzlich Neues im Mario-Universum: Einen Level-Editor. Dieser ist das Herzstück des Spiels und ermöglicht es, Level im Stile von klassischen 2D-Mario-Spielen selbst zu entwerfen. Eine richtige Kampagne oder komplexe, von Nintendo stammende Level sind nicht enthalten. Lediglich einige Beispiellevel sollen veranschaulichen, welche Möglichkeiten der Editor bietet. Wer also einfach nur ein neues 2D-Jump-&-Run sucht und viel Wert auf eine Geschichte legt, wird mit Super Mario Maker wahrscheinlich nicht glücklich. Dafür gibt es durch die Online-Anbindung immer wieder Nachschub an neuen Leveln von Spielern weltweit. Ganze Welten oder Kampagnen lassen sich jedoch nicht entwerfen.

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Kreative Baumeister

Das Herzstück des Spiels ist ganz klar der Editor. Um diesen zu erlernen, zeigt ein kurzes Tutorial wie Gegenstände, wie Blöcke, Pilze, Münzen oder Gegner platziert werden. Das funktioniert gänzlich intuitiv über das GamePad der Wii U. Mittels des Stylus wird alles ganz einfach platziert, verschoben oder wieder gelöscht. Damit bietet Super Mario Maker das bisher beste Editoren-Erlebnis auf einer Konsole, da mühseliges Platzieren mittels Steuerkreuz oder Analogsticks wegfällt. Leider sind nicht alle Objekte des Editors von Anfang an freigeschaltet. Erst mit der Zeit und durch regelmäßiges Bauen erweitert sich das Angebot an Blöcken, Items, Gegnern und allerlei mehr. Wirklich komplexe Level lassen sich also erst nach einiger Zeit bauen. Es besteht dafür genügend Zeit, um sich mit den Grundlagen des Editors zu beschäftigen, auch wenn die ersten Werke von so manchem Spieler wohl kaum ihren Weg ins Internet finden.

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Doch vor dem Hochladen eines Levels stehen noch einige Hindernisse. Schließlich muss die eigene Schöpfung erst einmal erfolgreich absolviert werden, bevor andere Spieler daran teilhaben dürfen. Um so praktischer, dass mittels eines einfachen Knopfdrucks im Editor jederzeit ins Spielgeschehen gewechselt werden kann. Dadurch lässt sich jede Neuerung oder Änderung sofort testen. Durch das angezeigte Gitternetz lassen sich außerdem Entfernungen gut abschätzen und später wird sogar eine Funktion freigeschaltet, die Marios zurückgelegten Weg anzeigt. Damit erleichtert Nintendo das Bauen funktionierender Level enorm. Dabei gilt es auch auf die Möglichkeiten des gewählten Skins zu achten. Vier Stück stehen zur Wahl: Super Mario Bros. Super Mario Bros. 3, Super Mario World und New Super Mario Bros. U. Da sich die Spiele in grundlegenden Elementen voneinander unterscheiden, trifft das auch auf Level zu, die in den jeweiligen Stilen gebaut werden. Das fängt bei der Größe und Sprungreichweite von Mario an und geht über allgemeine Fähigkeiten. So beherrscht Mario beispielsweise in New Super Mario Bros. U den Wandsprung, während dieser in den Vorgängern nicht zur Verfügung stand. Soll Mario also den Wandsprung einsetzen können, muss das Level zwingend im Stil des Wii-U-Jump-&-Runs entworfen werden.

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Ist ein Level gebaut, kann dieser mit allen Spielern von Super Mario Maker weltweit geteilt werden. Um auf die Level zuzugreifen besteht die Möglichkeit nach einem bestimmten Baumeister oder einer 16-stelligen Level-ID zu suchen. Alternativ können die Level durch diverse Filter sortiert werden. Neben dem Levelnamen wird auch immer der Schöpfer angezeigt. Zusätzliche Informationen wie die Abschlussrate stehen ebenfalls zur Verfügung. Gelungene Level können außerdem mit einem Stern ausgezeichnet werden. Die Sterne sind wichtig, da nur Spieler mit genügend Sternen mehr als 10 Level hochladen dürfen. Es besteht auch die Möglichkeit die Level anderer Baumeister auf der eigenen Konsole zu speichern und zu bearbeiten. Über das Miiverse können zusätzlich noch Kommentare zu den Leveln hinterlassen werden.

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Marios legen los

Auch wenn Super Mario Maker über keine richtige Kampagne verfügt, gibt es immerhin die 10-Mario beziehungsweise 100-Mario-Herausforderung. Bei ersterer gilt es, acht zufällige Beispiellevel hintereinander zu spielen. Dafür stehen zehn Leben zur Verfügung. Ähnlich ist es auch bei der 100-Mario-Herausforderung. Allerdings ist die Anzahl der Leben – wie der Name bereits andeutet – deutlich höher. Zugleich stehen die Schwierigkeitsgrade Leicht, Normal und Schwer zur Verfügung und es werden zufällige Community-Level gespielt. Durch das erfolgreiche Absolvieren der 100-Mario-Herausforderung werden Figuren für den ?-Pilz freigeschaltet, der im Editor im Super-Mario-Bros-Stil eingesetzt werden kann. Durch diesen verwandelt sich Mario in die festgelegte Figur. Dabei kann es sich beispielsweise um Waluigi, Link oder einen Gumba handeln.

super-mario-maker-02Damit sind die Möglichkeiten des Editors immer noch nicht ausgeschöpft. Auch Geräusche lassen sich einsetzen und über das Mikrofon des GamePads sogar aufzeichnen. Dazu gesellen sich Effekte und der Einsatz von amiibos, die wiederum neue Elemente für den Editor freischalten. Die Möglichkeiten des Editors sind also riesig. Umso bedauerlicher ist es, dass bei der Suche nach Community-Leveln häufig jene auffallen, die vollkommen automatisch ablaufen und in denen jede eigene Aktion das Erreichen des Ziels unmöglich macht. Zwar sind solche Level überaus aufwendig zu bauen und sind ein Garant für hohen Aufwand, bieten aber weder eine spielerische Herausforderung noch wirklichen Spielspaß. Leider packen viele Spieler ihre Level dermaßen voll, dass schon der bloße Levelstart optisch anstrengt.

Ebenfalls schade ist, dass sich abgesehen von einzelnen Leveln nichts hochladen lässt. Es gibt keine Möglichkeit, um eine Art Playlist mit mehreren Leveln anderen Spielern zur Verfügung zu stellen und damit steht jede Schöpfung für sich selbst. Super Mario Maker ist eben in erster Linie ein Level-Editor und kein Spiele-Editor. Dennoch wäre eine Playlist-Funktion wünschenswert.

Fazit

Super Mario Maker ist definitiv der bisher beste Level-Editor, den ich auf einer Konsole gespielt habe. Das verdankt der Titel in erster Linie dem GamePad der Wii U. Hier zeigt sich wieder einmal, welche Vorteile der Tabletartige Controller bietet. Doch wer einfach nur ein neues Mario-Jump-&-Run erwartet, dürfte mit dem Spiel nur bedingt glücklich werden. Zwar ist durch die tolle Online-Anbindung eigene Kreativität beim entwerfen von Leveln nicht notwendig, eine richtige Kampagne gibt es aber nicht. Darüber kann auch die 100-Mario-Herausforderung nicht hinweg trösten. Gerade kreative Spieler bekommen mit Super Mario Maker einen Titel für die Wii U geboten in dem sie sich austoben können. Besonders, wer schon immer mal wissen wollte wie es ist, Level für ein 2D-Jump-&-Run zu entwerfen, ist hier goldrichtig. Dass die Community nur eher wenige Level baut, die zumindest im Kern auch in einem Mario-Spiel vorkommen könnten, war natürlich zu erwarten, dennoch finde ich es bedauerlich und würde mir etwas mehr in dieser Richtung wünschen. Trotz diesem Kritikpunkt dürfte jeder, der genug Geduld hat ein bisschen in der Masse an Leveln zu stöbern, fündig werden und seinen Spaß mit Super Mario Maker haben.

Kurzfazit: Komfortabel zu bedienender, umfangreicher Editor mit gelungener Online-Anbindung, aber ohne Kampagne und mit kleinen Macken.

Details
Titel: Super Mario Maker
Genre: Editor, Jump & Run
Publisher: Nintendo
Entwickler: Nintendo
Spieler: 1
Syteme: Wii U
Erscheinungsdatum: 11. September 2015

Bilder Copyright Nintendo