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Okt 20 2013

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Rezension: Saga – Band 1

Ssaga-1-coveraga ist eines dieser Comicphänomene das Schlagzeilen gemacht hat. Zahlreiche Awards (darunter z.B. die Eisner Awards in den Kategorien „Beste neue Comicserie“, „Beste Comicserie“ und „Bester Autor“), vor Lob überstrotzende Rezensionen und begeisterte Lesermeinungen. Doch ist das Science-Fiction-Comic von Brian K. Vaughan und Fiona Staples, das in Deutschland bei Cross Cult erscheint, wirklich so gut? Ich muss ehrlich sein, ich hatte meine Probleme mit dem ersten Band, der seit Anfang August erhältlich ist. So fiel es mir schwer richtig in die Geschichte reinzukommen oder ich kam beim Lesen nicht so recht voran. Das führte auch dazu, dass ich Saga mehrmals beiseite legte, mit dem Gedanken, es später noch einmal zu versuchen. Immerhin gefiel mir das was ich las und sah. Am Ende habe ich den Band doch beendet, wenn auch mit etwas Verspätung – was mich persönlich nicht stört. Wie mir Saga gefallen hat, erfahrt ihr nun in meiner Rezension zum ersten Band.

Eine weit entfernte Galaxie

Es herrscht Krieg in der Galaxie. Die Bewohner von Landfall und seinem Mond, der Ranke, bekämpfen sich schon seit langer Zeit. So lange, dass niemand mehr weiß, ob jemals Frieden herrschte. Doch die Schlachtfelder finden sich nicht auf den Heimatwelten der beiden Fraktionen. Schon vor langer Zeit erkannten beide, dass Landfall und die Ranke nur darunter leiden würden und so wurde der Krieg outgesourct – auf andere Himmelskörper in der Galaxie. Sei es Planet, Mond oder Asteroid, überall bekämpfen sich die verfeindeten Kriegsparteien und ziehen die einheimischen Bevölkerungen mit in ihre Angelegenheiten. Mitten in dieser vom Krieg zerrissenen Galaxie sind die Landfallerin Alana und der Ranken-Bewohner Marko auf der Flucht – zusammen mit ihrem neugeborenen Kind, das schnell die Aufmerksamkeit der verschiedenen Parteien auf sich zieht.

Die Geschichte von Saga erinnert sofort an klassische Liebesgeschichten wie Romeo und Julia (eine Beziehung zwischen zwei Angehörigen, verfeindeter Fraktionen), aber auch ein wenig an Science-Fiction-Operas wie Star Wars. Dabei bleibt die von Brian K. Vaughan (Y – The Last Man, Ex Machina) geschriebene und von Fiona Staples (Northlanders, Jonah Hex #66) in Szene gesetzte Geschichte dennoch eigenständig – und auch erwachsener und härter als beispielsweise die Filmklassiker von George Lucas. Saga scheut sich nicht auch mal brutalere Bilder oder offene Sexualität zu zeigen. Ich möchte hier klar stellen, dass dies natürlich teilweise auch auf Star Wars zutrifft. Keiner von Beiden macht es besser, es ist schlicht anders. Star Wars ist märchenhafter und zeichnet eine klarere Gut-gegen-Böse-Linie ab, während Saga hier eher in einer Grauzone bleibt. Zwar gibt es mit Alana und Marko ganz klar zwei Protagonisten, denen man wünscht, dass es ihnen gut geht, aber auch die anderen Figuren in Saga haben zumindest weitgehend nachvollziehbare Gründe für ihre Handlungen – und sei es nur ihre eigene Überzeugung. Wirklich gut oder böse ist hier also eher niemand.

Allerdings kommt die Geschichte auch etwas diffus und noch nicht ganz greifbar daher. Man hat zwar den Eindruck, dass Autor Brian K. Vaughan genau weiß was er will und was er mit Saga vor hat, aber im ersten Sammelband wird noch nicht ganz klar, was das genau ist. Dennoch überzeugt die Geschichte bisher, auch wenn noch nicht klar ist wie es weitergeht und ob sich wirklich ein Klassiker daraus entwickelt. Und auch wenn Saga dem Science-Fiction-Genre – mit leichten Fantasy-Anleihen wie Magie – zuzuordnen ist, konzentriert sich das Comic doch eher auf die Figuren und weniger auf die Darstellung des Universums selbst. Raumschiffe oder andere klassische Dinge sind eher Beiwerk und nicht Hauptbestandteil. Ein ganz interessanter Kniff ist aber, dass die Erzählstimme von Alanas und Markos Tochter stammt.saga-poster

Dass in dieser Galaxie die unterschiedlichsten Wesen leben, wird bereits im ersten Kapitel (dem ersten US-Heft) deutlich. Neben den Landfallern und den Ranken-Bewohnern, tauchen hier bereits einige weitere Bewohner des Universums auf. Seien es Einheimische des Planeten Kluft oder die zu Landfall gehörenden Robotadeligen. Dabei verdankt es Saga nicht nur den gut geschriebenen Dialogen und Texten, sondern auch den Zeichnungen, dass die Figuren ihren ganz eigenen Charakter vermitteln.

Schöne, emotionale Welt

Es sind sowieso die Zeichnungen, die bei Comics stark zur Atmosphäre beitragen und hier liefert Fiona Staples gute Arbeit ab. Die Bilder haben einen klar erkennbaren eigenen Stil, wodurch die Figuren sofort erkennbar sind. Es ist ganz klar, dass Staples sich hier auf die Charaktere und nicht auf die Hintergründe konzentriert hat. Dennoch wirken die einzelnen Geschehnisse dynamisch. Zwar läuft nicht immer direkt die fehlende Bewegung vor dem inneren Auge ab, aber das braucht es auch nicht. Auch so fangen die Bilder die Szenen immer gut ein und vermitteln sowohl das Geschehen als auch die Aktionen der Figuren gut. Besonders gefallen haben mir die Gesichtsausdrücke der Charaktere. Sie passen immer zur Situation und bringen eigentlich jedes Mal gekonnt rüber was gerade in der Figur vorgeht. So ist manchmal gar kein Text nötig um zu vermitteln was gerade passiert.

Textlastig ist Saga trotzdem an einigen Stellen. Zwar gibt es auch Seiten auf denen fast kein Wort steht, aber insgesamt würde ich dem Werk von Brian K. Vaughan und Fiona Staples doch einen Hang zu Dialogen attestieren. Das soll aber nicht negativ gemeint sein. Es ist einfach eine Tatsache. Dass Saga kein anspruchsloser Comic ist, wird hoffentlich dadurch klar. Damit will ich aber auch nicht ausdrücken, dass die Science-Fiction-Geschichte nun direkt einen literarischen Anspruch hat. Ich hoffe es ist ungefähr klar was ich meine.

Bevor ich zum Fazit komme, wollte ich auch noch das ein oder andere Wort zur Aufmachung der deutschen Ausgabe des ersten Saga-Bandes los werden. Cross Cult-typisch kommt der Band als Hardcover daher. Das Format ist dabei mit 16×24 cm nur knapp unter den 16×26 cm eines Standard-US-Heftes angesiedelt, wodurch das Buch zum einen gut in der Hand liegt, die Zeichnungen aber auch gut zur Geltung kommen. Der Umfang kann sich mit den ersten sechs Kapiteln und damit etwa 160 Seiten auf jeden Fall sehen lassen, was aber bei einem Preis von 22 Euro auch nötig ist. Schön ist, dass jedes Kapitel mit einer Cover-Seite eingeleitet wird, auf der das jeweilige US-Titelbild zu sehen ist. Im Anhang des Bandes findet sich dann auch noch, als Bonus, ein Interview mit Zeichnerin Fiona Staples. Alles in allem also gewohnt gute Cross Cult-Qualität.

Fazit

Ich hatte bereits in der Einleitung geschrieben, dass ich mich beim Lesen mit Saga etwas schwer getan habe. Die Rezension selbst ist jetzt aber eher positiv ausgefallen und das hat natürlich auch einen Grund: Saga ist gut. Die Geschichte kann motivieren, es kommt Spannung auf, die Zeichnungen und Dialoge funktionieren. Dennoch, möchte ich noch nicht sagen, dass es sich hierbei um einen neuen Klassiker handelt. Es gibt einfach noch zu viele Unklarheiten – wozu auch die etwas diffuse Geschichte zählt. Meiner Meinung nach lohnt es sich aber am Ball zu bleiben, um zu erfahren wie es weitergeht. Ob die vielen Awards für Saga nun gerechtfertigt waren, kann ich aber noch nicht sagen. Weil mir der Einstieg so schwer gefallen ist und weil ich mit dem ersten Sammelband bisher nur die ersten 6 US-Hefte gelesen habe. Völlig unverdient sind die Auszeichnungen aber sicherlich nicht. Band 2 wird definitiv Teil meiner Comicsammlung. Dafür hat mich Band 1 doch gut genug unterhalten.

Wertung folgt

Details
Titel: Saga Band 1
Genre: Science-Fiction
Verlag: Cross Cult
Autoren/Zeichner: Brian K. Vaughan / Fiona Staples
Art: Hardcover, 16x24cm
Seiten: 160
Preis: 22 €
ISBN: 978-3-86425-187-0
Verlagsseite/Leseprobe: Saga bei Cross Cult
Saga kaufen im Cross Cult Online-Shop
Erscheinungsdatum: 02.08.2013

Text Copyright 2013 Alexander Geisler
Bilder Copyright Cross Cult/Image Comics

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